Berufsunfähigkeitsversicherung fürs Kind: Was wirklich dahintersteckt
Dein Kind hat noch keinen Beruf, den man absichern könnte. Trotzdem lohnt es sich, sich früh mit dem Thema zu beschäftigen, aus einem einfachen Grund: Je jünger dein Kind ist, desto besser ist meistens sein Gesundheitszustand, und desto einfacher lässt sich dieser Zustand für später sichern. Ich zeige dir, wie das grundsätzlich funktioniert und worauf du achten solltest, ohne dir ein bestimmtes Produkt schönzureden.
Warum das Thema so früh schon relevant wird
Eine "klassische" Berufsunfähigkeitsversicherung sichert ab, dass du deinen aktuellen Beruf krankheits- oder unfallbedingt nicht mehr ausüben kannst. Bei einem Kind gibt es diesen Beruf noch nicht, eine BU im eigentlichen Sinn kann es also gar nicht geben. Trotzdem lohnt sich der Blick auf das Thema schon jetzt, aus einem Grund, der auf den ersten Blick unintuitiv wirkt: Es geht heute noch gar nicht um den späteren Schutz selbst, sondern darum, sich die Möglichkeit dafür zu sichern, bevor sich daran etwas ändern kann.
Was der Markt stattdessen anbietet, sind zwei unterschiedliche Grundkonzepte:
Optionsmodelle
Du sicherst heute den aktuellen Gesundheitszustand deines Kindes, meist gekoppelt an einen kleinen Sparvertrag. Die eigentliche Berufsunfähigkeitsversicherung entsteht erst später, wenn dein Kind eine bestimmte Altersgrenze erreicht, in die weiterführende Schule kommt oder eine Ausbildung/ein Studium beginnt. Das Versprechen dabei: kein erneuter Gesundheitscheck zu diesem späteren Zeitpunkt, weil der schon jetzt „eingefroren" wurde. Man kann sich das wie eine Art Reservierung vorstellen: Der heutige Gesundheitszustand deines Kindes wird dokumentiert und für die Zukunft festgeschrieben, unabhängig davon, was in der Zwischenzeit gesundheitlich passiert.
Eigenständige Kinderversicherungen
Grundfähigkeit oder BU: Einige Anbieter haben in den letzten Jahren begonnen, bereits ab einem sehr jungen Alter (teils schon ab wenigen Monaten, teils ab 6 Jahren) eine direkt wirksame Absicherung anzubieten, keine reine Option auf später. Der Unterschied zum Optionsmodell: Hier besteht von Anfang an ein echter Leistungsanspruch, falls tatsächlich etwas passiert, nicht nur eine Reservierung für später. Das kann sich lohnen, ist aber auch mit eigenen Abwägungen verbunden, etwa bei der Frage, wie hoch die Absicherungssumme in diesem frühen Alter überhaupt sinnvoll bemessen werden kann.
Wichtig zu wissen, damit du das einordnen kannst: Der Markt entwickelt sich hier schnell. Die Altersgrenzen, ab denen es eigenständige Lösungen gibt, sind in den letzten Jahren mehrfach nach unten gerutscht, und einzelne Anbieter überbieten sich zunehmend mit neuen, jüngeren Einstiegsaltern. Was heute Stand ist, kann in ein, zwei Jahren schon wieder anders aussehen, neue Tarifgenerationen lösen ältere ab, und nicht jede neue Generation ist automatisch die bessere. Genau deshalb lohnt sich hier ein aktuelles Gespräch mehr als ein einmal gelesener Artikel, egal wie ausführlich er ist.
Worauf es wirklich ankommt
Statt dir eine Rangliste von Anbietern zu zeigen, hier die Fragen, die du dir bei jedem Angebot stellen solltest, unabhängig vom Namen auf dem Vertrag:
- Wann werden die Gesundheitsfragen fällig, jetzt oder erst später? Das ist der wichtigste Punkt überhaupt. Manche Modelle verlangen die Gesundheitsprüfung direkt beim Abschluss (dafür entfällt sie beim späteren Übergang in die echte Versicherung), andere verzichten zu Beginn ganz darauf, verlangen sie dafür aber erst, wenn die Option gezogen wird. Wenn Letzteres der Fall ist, hat die "frühe Absicherung" streng genommen wenig gebracht, denn genau die spätere Prüfung wollte man sich ja ursprünglich ersparen. Frag im Zweifel konkret nach, was genau mit „ohne erneute Gesundheitsprüfung" gemeint ist, teilweise gilt das nur für einen Teil der Fragen, nicht für alle.
- Wie hoch ist die absicherbare Rente, zu Beginn und später? Zu Vertragsbeginn sind die möglichen Summen meist klein. Wichtiger ist, wie großzügig die späteren Nachversicherungsmöglichkeiten sind (ohne erneute Gesundheitsprüfung), und ob diese mit der Inflation mithalten können. Eine Summe, die heute großzügig klingt, kann in 20 Jahren, wenn dein Kind tatsächlich ins Berufsleben startet, deutlich weniger wert sein, wenn der Vertrag keine automatische Anpassung vorsieht.
- Ist ein Sparvertrag zwingend gekoppelt, und wenn ja, wie sinnvoll ist der für sich genommen? Bei den meisten Modellen ist die Absicherung an einen kleinen monatlichen Sparbeitrag gebunden. Das kann sinnvoll sein, wenn der Sparteil selbst gut ist. Es kann aber auch bedeuten, dass du für die reine Options-Absicherung ein Sparprodukt „mitkaufst", das du eigentlich getrennt und günstiger organisieren könntest. Es lohnt sich, beide Bestandteile, Absicherung und Sparanteil, gedanklich zu trennen und jeden für sich zu bewerten, statt das Gesamtpaket unbesehen zu übernehmen.
- Was passiert, wenn du die Option gar nicht ziehst? Manche Verträge lassen sich problemlos als reiner Sparvertrag weiterführen, wenn ihr euch am Ende gegen die BU-Umwandlung entscheidet. Bei anderen lohnt sich das separat weniger, weil die Kostenstruktur von vornherein auf die spätere Umwandlung ausgelegt war. Diese Frage wird häufig übersehen, weil sie erst in einigen Jahren relevant wird, aber sie gehört schon heute in den Vertragscheck.
- Welche Ereignisse berechtigen zum Ziehen der Option, und wie lange hast du dafür Zeit? Typisch sind: Wechsel auf eine weiterführende Schule, Ausbildungsbeginn, Studienbeginn, Berufseinstieg. Die Fristen dafür (oft 6 bis 12 Monate nach dem Ereignis) solltest du im Kalender behalten, das wird in der Praxis erstaunlich oft verpasst, gerade weil zwischen Vertragsabschluss und dem eigentlichen Ereignis oft ein Jahrzehnt oder mehr liegt und die Erinnerung daran im Alltag verblasst.
Diese Kriterien reichen dir schon, um loszulegen? Lass uns direkt sprechen.
Kriterien besprechen →Praxisbeispiel: die Berufsstart-Option der Baloise
Die Baloise startet ohne Gesundheitsprüfung, diese folgt erst später
Die Baloise hat ihre Berufsstart-Option für Kinder im Rahmen der Baloise Best Invest Kids 2020 grundlegend überarbeitet. Die alte Variante bis 2020 hatte den Vorteil, dass sich 500 € ohne Gesundheitsfragen absichern ließen (Voraussetzungen mussten trotzdem stimmen), allerdings war eine BU-Absicherung von nur 500 € ohne echte Erhöhungsmöglichkeit in der Arbeitskraftabsicherung eher symbolisch und half in der Praxis kaum weiter. Die Baloise kehrte das Prinzip gegenüber anderen Gesellschaften um: Zu Beginn gibt es keine Gesundheitsfragen, dafür folgen diese beim späteren Umwandeln.
Bei der Baloise ist inzwischen eine BU-Option bis 2.000 € mit vereinfachten Gesundheitsfragen möglich
Die Baloise wählt hier einen anderen Ansatz als LV 1871, Nürnberger, Universa und die üblichen Wechseloptionen in der Grundfähigkeitsversicherung. Eine Gemeinsamkeit bleibt: Die BU-Option für ein Kind gibt es nur zusammen mit einer fondsgebundenen Rentenversicherung bzw. einem Sparplan ab mindestens 25 € monatlich. Im Unterschied zur Universa oder LV 1871 fällt dafür kein separater Beitrag an, der Baustein steckt bereits in den 25 € mit drin. Startet ihr also mit einem ersten Altersvorsorge-Schritt bei der Baloise, ist die spätere Wechseloption in eine eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung automatisch und kostenlos dabei. Ergibt der Wechsel in eine BU wenig Sinn, etwa weil ein körperlicher Beruf die Beiträge stark verteuert, lässt sich stattdessen auch in eine Grundfähigkeitsversicherung der Baloise wechseln.
Zum Start werden keine Gesundheitsfragen gestellt
Die Baloise ist der einzige Anbieter, der bei seiner Kindervorsorge komplett auf Gesundheitsfragen verzichtet. Die Rentenversicherung für dein Kind kommt also ganz ohne Gesundheitsangaben zustande. Klingt erstmal verlockend, hat aber einen Haken …
Gesundheitsfragen werden erst beim Ziehen der BU-Option gestellt
An bestimmten Punkten im Leben deines Kindes lässt sich die Option auf eine eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung aktivieren:
- Beim Wechsel in die Oberstufe, zu Ausbildungs- oder Studienbeginn oder beim Berufseinstieg
- Für die Berufsstart-Option gilt eine Frist von 12 Monaten nach dem jeweiligen Ereignis
- Möglich ist das grundsätzlich bis zum 27. Lebensjahr
Die genauen Details dazu stehen in den allgemeinen Vertragsbedingungen der Baloise.
Praktisch: Mit dem 18. Geburtstag informiert die Baloise dein Kind automatisch über diese Möglichkeit, das kennen wir sonst nur noch von der Universa. Gerade bei Neuinteressenten sehen wir häufig, dass der richtige Zeitpunkt zum Ziehen der Option schlicht verpasst wird, umso positiver, dass hier proaktiv auf Kunden zugegangen wird.
Wie fallen die späteren Gesundheitsfragen bei der Baloise aus?
Auf den ersten Blick wirken die Gesundheitsfragen überschaubar, die eigentlich entscheidende Frage ist aber: Kann dein Kind diese Fragen auch noch in 10 Jahren problemlos mit Ja beantworten? Ja-Antworten sind zwar zulässig, und eine anonyme Risikovoranfrage ist ebenfalls möglich, dennoch bleibt ein Restrisiko wie bei einer Lotterie. Uns überzeugt das Modell anderer Gesellschaften hier etwas mehr: Dort werden die Gesundheitsfragen direkt beim Abschluss der Rentenversicherung gestellt und entfallen dafür später komplett. Die Baloise geht bewusst den umgekehrten Weg, wir sind gespannt, wie der Markt das aufnimmt. Man kann natürlich argumentieren: „Ich schließe ohnehin einen kleinen Sparplan für mein Kind ab, da ist die BU-Option praktischerweise mit dabei", nach unserer Erfahrung ist das aber selten der Ausgangspunkt, aus dem heraus Eltern nach der passenden Kindervorsorge fragen.
Nach dem Ziehen der Option: keine weiteren Einschränkungen
Das ist ein klarer Pluspunkt, gerade im Vergleich zur früheren Version der Baloise-BU-Option. Bei der Konfiguration der BU gibt es keinerlei Einschränkung: Es lassen sich alle Bausteine und Gestaltungsmöglichkeiten nutzen, die eine reguläre Baloise-Berufsunfähigkeitsversicherung zum jeweiligen Wechselzeitpunkt bietet. Konkret:
- Nachversicherung bis 4.000 € (mit dem Tarifupdate 01/2022 von vormals 2.500 € angehoben)
- Beitragsdynamik von bis zu drei Prozent
- Garantierte Rentensteigerung von bis zu drei Prozent
- Arbeitsunfähigkeitsklausel wählbar
- Pflegebaustein optional
- Absicherung schwerer Krankheiten aktuell möglich, bis zum Dreifachen der BU-Summe
Maßgeblich sind dabei immer die Bedingungen, die zum Zeitpunkt des tatsächlichen Wechsels gelten. Theoretisch könnte die Baloise diese Bausteine künftig einschränken, das halten wir aber für unwahrscheinlich, eher werden sie weiter ausgebaut, die Baloise ist in den letzten Jahren spürbar aktiv am Markt unterwegs.
Von Anfang an lassen sich außerdem absichern:
- 1.500 € als Schüler
- 2.000 € als Student und Berufseinsteiger
Kleines Extra am Rande für Großeltern, Paten, Tanten oder Onkel: Weil zu Beginn keine Gesundheitsfragen gestellt werden, lässt sich die Absicherung über die Baloise auch ohne Unterschrift eines Elternteils abschließen. In der Praxis dürfte das selten vorkommen, theoretisch könnte so aber ein Abschluss erfolgen, ohne dass die Eltern direkt davon wissen.
Wie du merkst, sind wir bei diesem Modell selbst nicht ganz einig. Uns persönlich sprechen die Lösungen anderer Gesellschaften mehr an, bei denen die Gesundheitsfragen gleich zu Beginn beantwortet werden und dein Kind sich so den aktuellen Gesundheitszustand sichert. Für manche Familien mag die Baloise-Variante trotzdem besser passen, dazu beraten wir gerne im Detail. An dieser Stelle ging es uns erst einmal darum, dir die verschiedenen Wege am Markt aufzuzeigen.
Als Anlageform im „Hauptträger" stehen übrigens ganz normal Aktienfonds, ETFs und vermögensverwaltende Strategien zur Auswahl.
Noch ein Praxisbeispiel: die Kindervorsorge der Nürnberger
Die längste Erfahrung und den größten Vertragsbestand in diesem Bereich hat vermutlich die Nürnberger Versicherung. Wir konnten das selbst einmal in der Praxis erleben, bei unserem Neffen, der 2016 von der Option Gebrauch gemacht hat. Der Wechsel lief problemlos und ganz ohne Gesundheitsfragen. Nachteilig war allerdings, dass nach dem damals aktuellen Beruf gefragt wurde, da unser Neffe einen handwerklichen Weg einschlug, wirkte sich das spürbar auf die Prämie aus. In der damaligen „Biene Maja"-Police war das noch so geregelt: Die Umwandlung erfolgte erst mit Eintritt ins Berufsleben oder Studium. Mit einem großen Update im Juli 2022 wurde die jahrzehntealte „Biene Maja"-Variante abgelöst, Nachfolger ist seitdem der „Vermögensplan4Kids".
Ähnlich wie bei der Universa lassen sich hier zu Beginn 1.000 € absichern. Anders ist aber: Die Gesundheitsfragen müssen schon bei Antragstellung beantwortet werden, und das kann bereits wenige Wochen nach der Geburt sein, im Prinzip wäre sogar ein Abschluss direkt im Kreißsaal denkbar.
Vom Aufbau her ähnelt die Biene-Maja-Option den Lösungen der Baloise und der Universa: „Hauptträger" ist eine Rentenversicherung mit einem Mindestbeitrag von 25 € im Monat. Zur Auswahl stehen sowohl günstige Indexfonds wie der MSCI World als auch zahlreiche aktive und nachhaltige Fonds, das Angebot wird hier stetig größer.
Die BU-Option kostet keinen Aufpreis
Im Gegensatz zur Universa-Lösung fällt bei der Nürnberger kein separater Beitrag für die BU-Option an, sie ist im Mindestbeitrag von 25 € bereits enthalten.
Diese Rentenversicherung kann dein Kind später natürlich auch privat weiterführen oder Kapital daraus entnehmen, etwa für die Weltreise oder das erste Auto. Für dich dürfte auf dieser Seite aber vor allem die automatisch enthaltene BU-Option relevant sein. Wie bei der Universa lässt sich der Tarif noch um weitere Leistungen und Absicherungsbausteine ergänzen. Wir konzentrieren uns hier bewusst auf die Berufsunfähigkeitsversicherung fürs Kind: Garantierte Leistungen in einer fondsgebundenen Anlage sehen wir grundsätzlich kritisch, Unfall- und Krankenzusatzversicherung sollten bei Bedarf lieber separat abgeschlossen werden. Der vollumfängliche Vermögensplan4Kids-Tarif eignet sich eher für alle, die möglichst viel in einer einzigen Police bündeln möchten. Davon würden wir eher abraten, letztlich muss aber dir das Konzept gefallen, nicht uns.
Wie erwähnt werden die Gesundheitsfragen bei der Nürnberger direkt gestellt und nicht erst beim späteren Ziehen der Option (anders als bei der oben beschriebenen Baloise-Lösung). Das halten wir grundsätzlich für den richtigen Ansatz. Beworben wird das Ganze von der Nürnberger mit dem Slogan: „1x Gesundheitsfragen, bis 6.000 € BU-Schutz!" Wie realistisch dieses Versprechen ist und ob es sich in der Praxis so einlösen lässt, schauen wir uns im Folgenden genauer an. Denn manche Gesellschaften bieten auf dem Papier viel, in der praktischen Umsetzung stecken dann aber zahlreiche Fallstricke.
So sehen die Gesundheitsfragen der Nürnberger aus
Inhaltlich bewegen sich die Gesundheitsfragen in eine ähnliche Richtung wie bei der Universa. Der entscheidende Vorteil: Ein Kind hat im frühen Alter meist noch kaum gesundheitliche Vorbelastungen. Nicht wenige unserer Interessenten und Kunden entscheiden sich deshalb direkt nach der Geburt für eine dieser beiden Gesellschaften.
Bei den Antragsfragen für die spätere BU bewerten wir die Ausgestaltung der Nürnberger als durchaus fair. Klar, es wird einiges abgefragt, dafür geht die Nürnberger hier aber auch ein größeres Risiko ein: Welchen Beruf das Kind später ausübt, welche potenziell riskanten Hobbys dazukommen, das alles ist zum Vertragsbeginn völlig offen. Ab dem ersten Lebensjahr ändern sich die Gesundheitsfragen leicht, dann wird nur noch nach den letzten drei U-Untersuchungen gefragt.
3.000 € Nachversicherung möglich, mit Karrieregarantie sogar das Doppelte
Vor dem großen Update der BU4Future war bei der Nürnberger nur eine Nachversicherung bis 2.500 € möglich. Mit dem Update stieg diese Grenze auf 3.000 €, gleichzeitig kam die sogenannte Karrieregarantie hinzu, mit der sich die BU-Rente sogar nochmal verdoppeln lässt. Der Vorteil einer solchen BU-Option: Beim Wechsel gelten jeweils die dann aktuellen Annahmerichtlinien (im ungünstigsten Fall kann das theoretisch auch ein Nachteil sein). In der Praxis werden diese Richtlinien aber tendenziell großzügiger und passen sich der Inflation an. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass die Absicherungssumme später zu niedrig ausfällt, im Zweifel lässt sich ohnehin auf mehrere Anbieter verteilen. Aktuell bietet die Nürnberger im Marktvergleich sehr gute Nachversicherungsoptionen, eine Verschlechterung erwarten wir hier eher nicht.
Einen Hinweis in der Übersichtsgrafik zur sogenannten Schulunfähigkeitsversicherung der Nürnberger blenden wir hier bewusst aus, das lassen wir außen vor, auch wenn sie dort als optionaler Zwischenschritt genannt wird.
Wann kann die BU-Option gezogen werden?
Kurz zusammengefasst:
- Erster Wechsel auf eine weiterführende Schule: Hier zählt schon der Übergang auf die Hauptschule, die Grundschule muss also verlassen werden (Ausnahme: ein Wechsel auf eine Sonderschule zählt nicht). Realschule und Gymnasium sind selbstverständlich ebenfalls möglich.
- Auch Berufsausbildung, Studium oder Berufseinstieg berechtigen zum Wechsel in die eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung der Nürnberger.
- Pro Ereignis bleiben sechs Monate Zeit.
Beim Wechsel stellt die Nürnberger weiterhin eine kleine Bestätigungsfrage:
- die versicherte Person ist weder ganz noch teilweise schul-, berufs- oder erwerbsunfähig bzw. erwerbsgemindert,
- die versicherte Person ist nicht schwerbehindert oder pflegebedürftig.
Das ist Marktstandard und im Sinne der Versichertengemeinschaft auch nachvollziehbar. Darüber hinaus werden bei der Aktivierung der eigenständigen BU keine weiteren Gesundheits- oder Risikofragen gestellt, auch Angaben zu Körpergröße, Gewicht oder gefährlichen Freizeitaktivitäten entfallen.
Wie hoch fällt die BU-Rente bei der Aktivierung aus?
Beim Wechsel auf die weiterführende Schule liegt die Obergrenze bei 1.000 €. Zusätzlich lässt sich eine Beitragsdynamik vereinbaren, außerdem gibt es umfangreiche Nachversicherungsmöglichkeiten, dazu gleich mehr.
Welche Nachversicherungsoptionen gibt es später?
Das steht nicht schon heute fest, sondern richtet sich nach den Nachversicherungsoptionen, die zum Zeitpunkt gelten, an dem die Option tatsächlich gezogen wird, in 20 Jahren zählen also die Bedingungen von in 20 Jahren. Da sich die BU-Bedingungen am Markt in den letzten Jahren spürbar verbessert haben, gehen wir eher von weiteren Verbesserungen aus. Bestimmte Ereignisse bleiben aber vermutlich dauerhaft als Anlass anerkannt: Heirat, Nachwuchs, Immobilienkauf, Studienabschluss, deutlicher Gehaltssprung und Ähnliches. Dass die Nürnberger schon jetzt zu den besten Konditionen am Markt zählt, haben wir oben gesehen.
Dein Kind hat 12 Monate Zeit, die Option zu ziehen. Am Markt war lange eher ein halbes Jahr üblich, bei der Nürnberger gilt die längere Frist aber schon seit Langem. Wichtig ist dabei, dass die Erhöhung in einem angemessenen Rahmen bleibt (grob gesagt bis zu 60 Prozent des Bruttoeinkommens). Zusätzlich verzichtet die Nürnberger mittlerweile nicht nur auf eine neue Gesundheits-, sondern auch auf eine erneute Risikoprüfung, es müssen also keine Fragen zu Hobbys, Rauchen, BMI oder Auslandsaufenthalten erneut beantwortet werden.
Der eigentliche Mehrwert liegt aber darin, dass ein Wechsel schon mit 10 Jahren möglich ist, die Einstufung kann sich danach also nie mehr verschlechtern. Wie wichtig das ist, zeigt sich besonders bei späteren Berufen wie Altenpfleger oder Maurer, die sonst deutlich teurer eingestuft würden. Genau darin liegt der große Vorteil der Nürnberger: Der Wechsel ist bereits mit 10 statt erst mit Berufseinstieg möglich. Das ist aus unserer Sicht auch die zentrale Botschaft der komplett überarbeiteten Kindervorsorge.
Beitrags- oder Leistungsdynamik möglich?
Ja, das ist möglich. Vereinbar sind eine Beitragsdynamik von bis zu fünf Prozent sowie eine Leistungsdynamik von bis zu drei Prozent. Ein kleiner Haken bei der Beitragsdynamik: Sie endet bei Schülern, sobald die 1.500-€-Grenze erstmals überschritten wird. Nach Eintritt ins Berufsleben oder Studium muss dieses Ereignis der Nürnberger gemeldet werden (eine feste Frist dafür gibt es nicht), danach läuft die Beitragsdynamik weiter. Je nach Beruf ist bei 6.000 € Schluss, bis dahin ist es aber ohnehin ein weiter Weg.
Einer der größten BU-Bestände am Markt
Vielleicht etwas weit vorausgedacht, aber durchaus ein Pluspunkt für die Nürnberger Biene Maja: Die Gesellschaft zählt am deutschen BU-Markt zu den ganz großen, mit über einer Million Verträgen im Bestand. Wir gehen davon aus, dass es auch in 15, 20 oder 25 Jahren noch attraktive BU-Konditionen bei der Nürnberger geben wird. Andere Anbieter in diesem Segment sind deutlich kleiner, was nicht automatisch ein Nachteil sein muss, siehe das Prinzip „klein, aber fein" bei der Universa: ein überschaubarer, aber verlässlicher Versicherer mit persönlicher Note, der in der Berufsunfähigkeitsversicherung aber keine große Rolle spielt.
Nicht vergessen werden sollte außerdem die Grundfähigkeitsversicherung der Nürnberger. Auch hier ist später ein Wechsel in eine eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung möglich, sogar bis zu 1.500 €. Das früheste Einstiegsalter liegt bei der „Grundfähigkeit4Future" allerdings erst bei fünf Jahren.
Zusammengefasst würden wir sagen: Mit der Neuaufstellung der Kindervorsorge ist der Nürnberger ein echter Wurf gelungen. Man merkt deutlich den Anspruch, bei der künftigen Arbeitskraftabsicherung eine führende Rolle einzunehmen, und die Handschrift eines jungen, engagierten Entwicklerteams. Statt am Markt vorbei zu entwickeln, wurde offensichtlich genau hingeschaut, was gebraucht wird, auch wir als Versicherungsmakler wurden dazu öfter befragt, was uns wichtig ist und unseren Kunden echten Mehrwert bringt. Genau dieser Weg überzeugt uns, insgesamt sind wir von der Lösung angetan.
Ein genereller Fallstrick, den du kennen solltest
Nicht jedes Angebot, das nach einer frühen Kinder-Absicherung aussieht, hält, was es verspricht. Ein Muster, das immer wieder vorkommt: Ein Vertrag wird als "Option auf eine spätere BU" beworben, verlangt aber beim tatsächlichen Übergang in die echte Berufsunfähigkeitsversicherung trotzdem eine vollständige, neue Gesundheits- und Risikoprüfung. Damit ist der eigentliche Sinn der frühen Absicherung, nämlich den heutigen guten Gesundheitszustand zu sichern, hinfällig. Im Ergebnis habt ihr über Jahre Beiträge für ein Versprechen bezahlt, das im entscheidenden Moment nicht eingehalten wird, und merkt das oft erst dann, wenn es zu spät ist, um noch etwas zu ändern.
Bevor du irgendein Angebot unterschreibst: Lies genau nach (oder frag genau nach), ob beim späteren Ziehen der Option wirklich keine neuen Gesundheitsfragen mehr gestellt werden, nicht nur, ob das Marketing das suggeriert. Ein seriöses Angebot sollte diese Frage klar und ohne Ausweichen beantworten können, im Zweifel schriftlich.
Berufsgruppen: Warum die spätere Einstufung so wichtig ist
Versicherer teilen Berufe in unterschiedliche Risikogruppen ein, vereinfacht gesagt: körperlich fordernde oder gefährlichere Tätigkeiten in höhere, überwiegend Büro- oder akademische Tätigkeiten in niedrigere Risikogruppen. Die Gruppe wirkt sich direkt auf den Beitrag aus.
Das Wichtigste dabei: Ist eine Einstufung einmal erfolgt, bleibt sie in der Regel bestehen, auch wenn sich der tatsächliche Beruf später ändert, solange keine neue Einstufung (z. B. durch eine Nachversicherung oder Vertragsänderung) beantragt wird. Deshalb lohnt es sich, die Einstufung von Anfang an im Blick zu haben, nicht erst, wenn der Beruf schon feststeht.
Was noch dazugehört
Eine BU-Options-Absicherung ist meist nicht die einzige sinnvolle Absicherung für ein Kind. Je nach Situation kommen ergänzend infrage:
- Unfallversicherung fürs Kind: deckt Unfallfolgen unabhängig vom späteren Beruf ab, gerade in den ersten Lebensjahren, in denen Unfälle statistisch eine größere Rolle spielen als Krankheiten
- Kinderinvaliditätsversicherung: zahlt bei dauerhafter Invalidität, unabhängig von Ursache und Beruf, deckt damit eine Lücke ab, die weder die BU-Option noch die Unfallversicherung allein schließen
- Grundfähigkeitsversicherung: knüpft nicht am Beruf an, sondern an konkreten körperlichen/geistigen Fähigkeiten, teils schon für sehr junge Kinder verfügbar, und kann in bestimmten Fällen eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zur klassischen BU-Option sein
Welche Kombination für eure Familie sinnvoll ist, hängt stark vom Einzelfall ab, etwa davon, welche Absicherungen über Kita, Schule oder bestehende Familienversicherungen eventuell schon greifen, das würde ich hier nicht pauschal beantworten wollen.
Was wir zur Kinderabsicherung am häufigsten gefragt werden.
Ab welchem Alter kann ich mein Kind absichern?
Das hängt vom gewählten Modell ab. Manche Optionsmodelle sind schon ab Geburt möglich, eigenständige Absicherungen meist erst ab einem bestimmten Mindestalter. Die genauen Grenzen verschieben sich am Markt regelmäßig, teils nach unten, wenn neue Tarifgenerationen auf den Markt kommen, aktuelle Details bespreche ich gerne im Erstgespräch.
Lohnt sich das schon bei einem Baby?
Der Vorteil einer frühen Absicherung ist der meist noch unbelastete Gesundheitszustand. Ob sich das für euch konkret lohnt, hängt auch davon ab, wie das jeweilige Modell mit späteren Gesundheitsfragen umgeht (siehe „Worauf es wirklich ankommt" oben), pauschal Ja oder Nein lässt sich das nicht beantworten.
Brauche ich zwingend einen Sparvertrag dazu?
Bei den meisten am Markt verfügbaren Modellen ja, das ist aktuell so üblich. Ob das für euch sinnvoll ist, schauen wir uns im Gespräch anhand des konkreten Angebots an, insbesondere, ob der gekoppelte Sparanteil für sich genommen überzeugt.
Was ist der größte Fehler, den Eltern hier machen?
Sich von einer „Wechseloption ohne Gesundheitsfragen" überzeugen zu lassen, ohne nachzuprüfen, ob das wirklich für den kompletten späteren Übergang gilt oder nur für einen Teilschritt, siehe den Fallstrick weiter oben.
Welchen Anbieter empfiehlst du?
Das kann ich dir ohne ein Gespräch über eure Situation nicht seriös sagen. Der Markt verändert sich hier laufend, eine pauschale Empfehlung auf einer Website wäre nicht in eurem Interesse, sondern würde nur vorgeben, eine allgemeingültige Antwort zu kennen, die es so nicht gibt.
Lass uns schauen, was für dein Kind wirklich passt.
Der Markt für Kinderabsicherung verändert sich schnell, was heute gilt, kann in einem Jahr überholt sein. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns die aktuell besten Optionen für eure Situation an.
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